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Rapsöl in der Kritik – social media vs. Wissenschaft

Kaum ein Lebensmittel wird derzeit so kontrovers diskutiert wie Pflanzenöl. Besonders die „seed oils“, also Öle aus Samen, stehen in den sozialen Medien in der Kritik. Dort heißt es, besonders Rapsöl sei „giftig“, „entzündungsfördernd“ oder sogar „krebserregend“. Gleichzeitig wird es von vielen Ernährungsgesellschaften und Ernährungsexperten als günstige Fettquelle empfohlen. Doch was sagt die wissenschaftliche Studienlage tatsächlich?

Warum Rapsöl überhaupt kritisiert wird
 

Bei der Kritik an Rapsöl werden unterschiedliche Aspekte aufgeführt. Häufig geht es um:

  • Gehalt an Erucasäure
     
  • Oxidation bei Hitze
     
  • Omega-6-Fettsäuren
     
  • Industrielle Verarbeitung
     

Dabei werden jedoch teilweise Fakten vermischt. Wir schauen uns die Thematik einmal näher an.

Das Problem mit der Erucasäure

Ein Argument der Kritiker, das gegen den Verzehr von Rapsöl sprechen soll, ist die enthaltene Erucasäure. Hierbei handelt es sich um eine im Raps natürlicherweise vorkommende Fettsäure. In den 70er Jahren fand man in Tierstudien heraus, dass große Mengen Erucasäure zu Veränderungen am Herzmuskel führten. Daraufhin züchtete man neue Rapssorten. Damals enthielten manche Rapssorten bis zu 50 % Erucasäure. Der Gehalt in modernen Speiserapssorten ist dagegen heute sehr gering. In der EU gilt hierfür ein strenger Grenzwert von maximal 2 %, der deutlich unter den gesundheitlich relevanten Mengen und den Werten der Studie aus den 70er Jahren liegt.

 

Oxidation – ein Problem aller Fette

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Oxidation von Ölen. Oxidation bedeutet, dass ein Stoff mit Sauerstoff reagiert und sich dadurch chemisch verändert. Bei Ölen kommt es durch falsche Lagerung, starke Überhitzung oder das mehrfache Verwenden zum Frittieren zu Oxidation. Bei dieser Oxidation entstehen Abbauprodukte, die gesundheitlich ungünstige Auswirkungen (z.B. Zellschäden oder Entzündungen) haben können. 

Besonders Öle mit einem höheren Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren, beispielsweise Leinöl oder Rapsöl, sind anfälliger für Oxidation. Gleichzeitig erfüllen diese Fettsäuren wichtige Funktionen im Körper. So liefert Leinöl besonders viel Omega-3, während Rapsöl durch sein günstiges Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren geschätzt wird.

Grundsätzlich kann jedes Fett oder Öl oxidieren. Das betrifft also nicht nur Rapsöl, sondern grundsätzlich nahezu alle Fette. Deshalb empfiehlt man generell:

  • Öle kühl und dunkel lagern
  • Nicht über den Rauchpunkt erhitzen
  • Frittieröle nicht mehrfach verwenden

Die Tatsache, dass Öle oxidieren können, bedeutet also nicht automatisch, dass sie grundsätzlich ungesund sind. Es kommt auf die Lagerung und Verarbeitung an. 

 

Der Gehalt an Omega-6-Fettsäuren

Teilweise wird der hohe Gehalt des Rapsöls an Omega-6-Fettsäuren als problematisch angeführt, da sie angeblich entzündungsfördernd wirken. 

Tatsächlich handelt es sich bei Omega-6-Fettsäuren ebenso wie bei Omega-3-Fettsäuren um essentielle Fettsäuren. Das bedeutet, dass sie überlebenswichtig sind, der Körper sie aber nicht selbst herstellen kann und sie über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Sie sind unter anderem wichtig für:

  • Zellmembranen
  • Hautfunktion
  • Wachstum und Entwicklung
  • Immunfunktion
  • Bildung bestimmter Botenstoffe

Omega-6-Fettsäuren sind also nicht prinzipiell schlecht. Das Problem liegt eher in einem unausgewogenen Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren in der modernen Ernährung. Durch eine zu hohe Zufuhr an Omega-6-Fettsäuren zum Beispiel durch viele hochverarbeitete Lebensmittel und gleichzeitig zu wenig Omega-3-Zufuhr entsteht ein Ungleichgewicht und das kann sich dann ungünstig auf die Gesundheit auswirken – zum Beispiel durch chronische Entzündungen.

Als günstig gilt ein Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3 im Bereich von 3:1 bis 5:1. Rapsöl weist tatsächlich sogar eines der günstigsten Verhältnisse unter den Ölen auf, nämlich 3:1. Zum Vergleich: 

  • Sonnenblumenöl: 120-150:1
  • Maiskeimöl: 50:1
  • Olivenöl: 10-15:1

Rapsöl wird also im Hinblick auf die ungesättigten Fettsäuren eher als positiv bewertet. 

 

Die industrielle Verarbeitung

Ein weiterer Kritikpunkt ist die industrielle Verarbeitung. Kritiker sehen im Rapsöl ein „unnatürliches“ Lebensmittel. Richtig ist, dass raffiniertes Rapsöl ein industriell verarbeitetes Produkt ist, aber das gilt genauso für alle anderen raffinierten Öle. Man unterscheidet generell zwischen nativem/kaltgepresstem Öl und raffiniertem Öl. 

Kaltgepresstes Öl wird schonend hergestellt. Die Rapssamen werden mechanisch gepresst und nur minimal verarbeitet. Dadurch bleiben mehr natürliche sekundäre Pflanzenstoffe wie zum Beispiel Polyphenole und Vitamin E enthalten. Das Öl ist jedoch empfindlicher gegenüber Oxidation und kürzer haltbar.

Raffiniertes Öl wird stärker verarbeitet. Es werden teilweise Begleitstoffe entfernt. Dadurch wird das Öl stabiler und länger haltbar, enthält aber auch weniger sekundäre Pflanzenstoffe.

Das ist aber kein spezielles Vorgehen für Rapsöl, sondern gilt für viele Pflanzenöle. Außerdem bedeutet industrielle Verarbeitung nicht automatisch, dass ein Lebensmittel gesundheitsschädlich ist. Sonst müsste man auch Joghurt, Haferflocken oder Käse aufgrund ihrer Verarbeitung kritisch sehen.

 

Rapsöl oder Olivenöl?

Oft wird gefragt, ob Olivenöl die bessere Wahl sei. Tatsächlich gelten sowohl hochwertiges Olivenöl als auch hochwertiges Rapsöl als ernährungsphysiologisch sinnvolle Fettquellen – allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Olivenöl enthält besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe – deutlich mehr als Rapsöl. Rapsöl liefert dagegen mehr Omega-3-Fettsäuren und ein besseres Verhältnis von Omega-6 zu Omega-3.

Beide Öle können daher je nach Verwendungszweck und individueller Ernährungsweise sinnvoll sein. Wissenschaftlich spricht derzeit wenig dafür, eines der beiden Öle pauschal als „gesund“ und das andere als „schädlich“ einzustufen.

Ein kurzer Überblick:

Fazit

Die Diskussion um Rapsöl wird häufig sehr emotional geführt. Betrachtet man jedoch die aktuelle wissenschaftliche Evidenz, ergibt sich ein deutlich differenzierteres Bild.

Richtig ist:

  • Stark oxidierte oder überhitzte Öle sind ungünstig
  • Alte Rapssorten enthielten im Gegensatz zu heute deutlich mehr Erucasäure
  • Hochverarbeitete Fertigprodukte sind meist keine optimale Fettquelle

Daraus folgt jedoch nicht, dass modernes, hochwertiges Rapsöl grundsätzlich gesundheitsschädlich oder krebserregend sei. Im Gegenteil spricht die aktuelle Datenlage eher dafür, dass es innerhalb einer ausgewogenen Ernährung eine ernährungsphysiologisch sinnvolle Fettquelle darstellen kann.

Allerdings reagiert nicht jeder Mensch gleich auf Lebensmittel. Stoffwechsel, Verdauung, individuelle Verträglichkeit, Lebensstil und die gesamte Ernährungsweise spielen ebenfalls eine Rolle. Deshalb gibt es auch bei Fetten und Ölen nicht die eine perfekte Lösung für jeden Menschen. Entscheidend ist letztlich die Verarbeitung im individuellen Stoffwechsel und vor allem die Ausgewogenheit der Ernährung.

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Autorin: Nina Wilters

Stand: August 2026
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