Leben mit Hashimoto: 23 Kilo leichter, endlich ohne Heißhunger
Steckbrief
Alter:
46 Jahre
Beschwerden:
Adipositas (starkes Übergewicht)
Hashimoto-Thyreoiditis
Fettleber
Gewichtsreduktion:
23 kg
„Ich habe zeitweise mehr als ein Kilo Schokolade am Tag gegessen.“ Silvia S. ist 46 Jahre alt und erinnert sich noch genau, wie extrem ihr Heißhunger wurde. „Wenn ich morgens nicht schon 300 Gramm Schokolade gegessen hatte, war ich richtig zitterig.“ Für sie war das längst kein Genuss mehr, sondern ein Teufelskreis aus Heißhunger, Energietiefs und dem Gefühl, gegen den eigenen Körper zu kämpfen.
Dabei war das nicht immer so. Viele Jahre fühlte sich Silvia wohl in ihrem Körper. Doch nach der Geburt ihres zweiten Kindes änderte sich etwas grundlegend. Ihre Gallenblase musste entfernt werden. Kurz danach veränderte sich ihr Essverhalten deutlich. Sie hatte immer häufiger das Bedürfnis, etwas zu essen – vor allem Süßes. Aus einzelnen Gelüsten wurde nach und nach ein starker Heißhunger, der sich über die Jahre immer weiter verstärkte. Gleichzeitig fühlte sie sich zunehmend erschöpft und unausgeglichen.
Als sie schließlich ihre Ärztin aufsuchte, stellte diese die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem die Schilddrüse an, wodurch diese weniger Hormone produziert. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, Müdigkeit und Gewichtszunahme sind häufige Folgen. Seitdem nimmt Silvia täglich L-Thyroxin ein.
Doch damit hörten die Probleme nicht auf. Im Laufe der Jahre geriet ihr Stoffwechsel immer stärker aus dem Gleichgewicht. Es entwickelte sich eine Fettleber, ihre Cholesterinwerte stiegen, ebenso der Langzeitblutzucker. Zusätzlich wurde bei ihr ein sogenanntes Leaky-Gut-Syndrom festgestellt – eine erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut, die Entzündungsprozesse im Körper begünstigen kann.
„Ich habe wirklich alles ausprobiert, um abzunehmen.“, erzählt sie. Fastenkuren, Weight Watchers, verschiedene Diäten, ein Nahrungsergänzungssystem. „Solange man sich strikt daran hält, funktioniert es. Aber dauerhaft war nichts davon nachhaltig oder alltagstauglich.“
Der letzte Versuch
Auf der Suche nach einer Lösung stieß Silvia schließlich über Facebook auf Beiträge von gesund + aktiv-Therapeut Tobias Freudenberg. Einer seiner Beiträge ging ihr nicht mehr aus dem Kopf: Es ging darum, dass jeder Stoffwechsel unterschiedlich funktioniert und deshalb auch gesunde Ernährung individuell sein muss. Das erschien ihr logisch und vor allem neu. So einen Ansatz kannte sie bisher nicht. Genau das gab ihr den Impuls, es noch einmal zu versuchen.
Trotzdem zögerte sie. Nach vielen Enttäuschungen wollte sie nichts überstürzen, zumal sie die Kosten selbst tragen musste. Sie sprach mit ihrem Osteopathen und ihrem Physiotherapeuten. Beide hielten das Konzept für sinnvoll. Auch ihr Mann bestärkte sie.
Nach einem unverbindlichen Kennlerngespräch entschied sie sich schließlich für das Programm. Auf Basis ihrer Blutwerte erhielt sie einen individuellen Ernährungsplan. Am 6. Oktober 2025 startete sie mit 139 Kilogramm Ausgangsgewicht.
Ein neuer Alltag – ohne Heißhunger
Die ersten Wochen waren eine Umstellung. „Ich dachte zuerst: Tomaten, Avocado oder Kartoffeln werde ich bestimmt sehr vermissen.“ Auch im Restaurant oder auf dem Weihnachtsmarkt musste sie umdenken. Doch Schritt für Schritt fand Silvia ihren eigenen Weg. „Mir war wichtig, dass der Plan zu meinem Leben passt und nicht umgekehrt.“
Heute beginnt sie ihren Tag oft mit etwas Bewegung. Mittags nimmt sie sich selbstgekochte Mahlzeiten mit, zum Beispiel Ofengemüse mit Fetakäse oder überbackene Süßkartoffeln mit Salat.
Anfangs halfen ihr Bittertropfen gegen den aufkommenden Schokoladenheißhunger. Aber nach ein paar Tagen war der Heißhunger komplett verschwunden. „Früher konnte ich mir ein Leben ohne Schokolade gar nicht vorstellen. Heute denke ich kaum noch daran.“
Bis März hat Silvia trotz Hashimoto-Thyreoditis 23 Kilogramm abgenommen. Von 139 auf 116 Kilogramm. Ihr Ziel: Ein „Uhu“ werden und weniger als 100 Kilogramm wiegen.
Doch noch wichtiger ist für sie das neue Körpergefühl. Sie hat deutlich mehr Energie, bewegt sich mehr. „Treppensteigen fällt mir inzwischen wieder viel leichter.“
Auch ihr Umfeld bemerkt die Veränderung. Eine Freundin war bei einem Treffen völlig überrascht: „Sie hat mich umarmt und gesagt: Wahnsinn – ich komme jetzt ganz um dich herum.“
Mehr als nur Abnehmen
Ein Moment hat Silvia besonders gezeigt, wie sehr sich etwas verändert hat. Nach langer Zeit aß sie wieder ein Stück Donauwelle. Sie mochte nicht nein sagen, da eine Freundin extra für sie gebacken hatte. „Früher hätte ich den Kuchen geliebt. Diesmal war er mir viel zu süß und danach wurde mir sogar schlecht.“
Für Silvia war das eine wichtige Erfahrung. Es war ein klares Zeichen dafür, dass sich ihr Geschmack und ihr Körpergefühl grundlegend verändert hatten. Dinge, die früher ganz selbstverständlich waren, passten plötzlich nicht mehr zu ihr.
„Ich habe das Gefühl, endlich verstanden zu haben, was mein Körper braucht“, sagt sie. „Das war wirklich mein letzter Versuch – und der erste, der funktioniert hat. Für mich war es jeden Euro und jede Mühe wert.“
Ihr Rat an Andere: „Verbiete Dir nichts, sondern entscheide bewusst. Ich weiß heute, was mir guttut. Und dann entscheide ich selbst ob ich etwas esse, das meine Gesundheit fördert oder nicht.“
Darum hat die Ernährungsumstellung geholfen
Hashimoto
- Weniger entzündliche Prozesse: Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Eine Ernährung mit wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln, Zucker und ungünstigen Fettsäuren sowie mehr Gemüse, hochwertigen Fetten und sekundären Pflanzenstoffen kann entzündliche Prozesse im Körper reduzieren und so die Schilddrüse entlasten.
- Gesunde Leber unterstützt die Hormonaktivierung: Ein großer Teil der Aktivierung von Schilddrüsenhormonen findet außerhalb der Schilddrüse statt – vor allem in der Leber. Dort wird das inaktive Hormon T4 in das stoffwechselaktive Hormon T3 umgewandelt. Eine leberfreundliche Ernährung mit wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln, dafür vielen Bitterstoffen, ausreichend Eiweiß sowie Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen kann diese Stoffwechselprozesse unterstützen.
- Stabilerer Energie- und Stoffwechselhaushalt: Die Schilddrüse beeinflusst viele zentrale Prozesse im Körper, insbesondere den Energieverbrauch. Ist ihre Funktion gestört, kann es zu Müdigkeit, Heißhunger und Gewichtszunahme kommen. Eine stabilere Blutzucker- und Nährstoffversorgung hilft, diese Schwankungen auszugleichen und den Stoffwechsel zu beruhigen.
Wie stark Ernährung entzündliche Prozesse und den Schilddrüsenstoffwechsel beeinflusst, ist individuell verschieden. Manche Menschen reagieren empfindlicher auf bestimmte Lebensmittel als andere. Eine individuell angepasste Ernährung, die zum eigenen Stoffwechsel passt, kann helfen, typische Beschwerden bei Hashimoto langfristig zu lindern.
Heißhunger
- Stabilerer Blutzucker: Werden große Mengen Zucker oder schnell verfügbare Kohlenhydrate gegessen, steigt der Blutzucker rasch an und fällt durch die anschließende Insulinausschüttung oft ebenso schnell wieder ab. Dieser Abfall kann Heißhunger auslösen. Eine Ernährung mit ausreichend Eiweiß, gesunden Fetten und langsam verdaulichen Kohlenhydraten hält den Blutzuckerspiegel stabil und beugt so Heißhunger vor.
- Sättigung über Eiweiß und Fett: Ausreichend Eiweiß und gesunde Fette sättigen deutlich länger als schnell verfügbare Kohlenhydrate. Sie verlangsamen die Magenentleerung und beeinflussen Sättigungshormone. Dadurch bleibt das Sättigungsgefühl länger bestehen und der Drang nach Snacks nimmt häufig ab.
- Weniger Belohnungsreize durch Zucker: Sehr zuckerreiche Lebensmittel aktivieren im Gehirn das Belohnungssystem und verstärken den Wunsch nach mehr Süßem. Wird über längere Zeit weniger Zucker gegessen, gewöhnt sich das Geschmacksempfinden um. Viele süße Lebensmittel werden dann als deutlich intensiver oder sogar unangenehm süß wahrgenommen. Das Verlangen nach Süßem nimmt ab.
Wie stark Heißhunger entsteht und auf welche Lebensmittel Menschen besonders reagieren, ist individuell verschieden. Eine individuell angepasste Ernährung, die zum eigenen Stoffwechsel passt, kann helfen, Heißhungerattacken deutlich zu reduzieren.
Fettleber
- Weniger Fettneubildung in der Leber: Überschüssige Energie, vor allem aus Zucker und schnell verfügbaren Kohlenhydraten, wird in der Leber in Fett umgewandelt und dort gespeichert. Eine kohlenhydratbewusste Ernährung mit einem ausgewogenen Blutzuckerspiegel reduziert diese Fettneubildung in der Leber.
- Fettabbau durch niedrige Insulinspiegel: Die Leber kann gespeichertes Fett nur bei niedrigen Insulinspiegeln abbauen und zur Energiegewinnung nutzen. Werden dauerhaft zu viele schnell verfügbare Kohlenhydrate gegessen, ist der Insulinspiegel allerdings dauerhaft hoch und das Fett sammelt sich in der Leber weiter an, anstatt abgebaut zu werden.
- Entlastung der Leberfunktion: Die Leber ist ein zentrales Stoffwechselorgan und reagiert empfindlich auf eine dauerhafte Überlastung durch Zucker, Alkohol oder stark verarbeitete Lebensmittel. Eine natürliche, ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Bitterstoffen und Ballaststoffen kann die Leberfunktion unterstützen und ihre Regeneration fördern.
Wie schnell sich eine Fettleber zurückbildet, ist individuell verschieden. Die Ernährung hat einen großen Einfluss. Welches Verhältnis von Kohlenhydraten zu Eiweißen und Fetten optimal ist, ist von Stoffwechsel zu Stoffwechsel verschieden. Eine individuell angepasste Ernährung kann die Regeneration der Leber unterstützen.